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Aus der Besatzung von Minden seit 1646 gründete Generalmajor v. Pöllnitz im August 1680 unter Zuführung einer Frei-Kompanie die " Pöllnitz‘ sche Eskadron" mit 750 Mann in Lippstadt.

Sie diente dem Schutz der westlichen Landesteile.

Ende 1694 wurde es durch ein Bataillon des aufgelösten Regiments Alt-Holstein verdoppelt. Unter Generalmajor v. Schlabrendorff wurde es nach Rückkehr 1697 reduziert, um 1702 durch Abgabe ganzer Kompanien der I.R. 3, 10 und 14 erneut aufgestockt zu werden.

Bis 1756 waren Soest, Hamm und Unna Garnisonen, seit 1763 ,unter Generalmajor von Wolfersdorff, garnisonierte das 1. Bataillon in Hamm, das 2. in Soest.

Rekruten kamen aus Hamm, Unna, Lünen, Bochum,Soest, Altena, Plettenberg, Wetter, Hattingen wie aus den Kreisen Hamm, Wetter, Altena und Hörde.

Nach 126 Jahren  kapitulierte es im Rüchel‘schen Korps am16.

Oktober 1806 bei Erfurt, das III. Bataillon in Hameln.

In der 126 Jährigen Regimentsgeschichte können wir folgende

Schlachten verzeichnen

1702 Belagerung von Kaiserswerth

1703 bei Rheinbergen und Höchstädt

1706 vor Menin und Turin

1708 bei Oudenarde

1709 bei Malplaquet

1715 blieb ein Bataillon in Magdeburg, das andere

nahm am Peene- und Swine-Übergang wie an der

Landung auf Rügen teil.

                                                 

Im Ersten Schlesischen Kriege gehörte das

Regiment zum Observations-Korps des Fürsten

Leopold von Anhalt-Dessau, das sich  Anfang April 1741 im Lager Göttin südlich Brandenburg/Havel sammelte.

Zweiter schlesischer Krieg 


15.12.1745 Schlacht  bei  Kesselsdorf, wo die Grenadiere am rechten Flügel 103 Tote und 200 Verwundete hatten.


Im 7-Jährigen Krieg:

In den Vorgefechten der Schlacht bei Lobositz wurde  der Kommandeur Generalmajor Johann Christian Rulemann Frhr. Quadt v. Wickeradt durch einen Steinsplitter am Kopf verwundet und ist an dieser Verwundung nach der Schlacht verstorben.Im weiteren Verlauf  nahm das Regiment kurz nach 14 Uhr den Ort ein. Aus dieser Schlacht ist auch die Anekdote von Friedrich dem Großen überliefert „ Die Westfälinger sind etwas grob schlagen aber dreimal auf die gleiche Stelle und setzen den vierten noch nach „.

In der Schlacht bei Prag am 6. Mai 1757 kämpften die Grenadiere links, das Regiment rechts im ersten Treffen unter dem Herzog von Bevern, durchbrach südlich Kej mit das Zentrum und geriet in die Talenge des Roketnitzer Baches. Hier verlor es 20 Offiziere, 550 Mann, also die Hälfte seines Bestandes

Am 18.6.1757 bei Kolin wurden die Grenadiere in  die Krise des linken Flügels gerissen.

Trotzdem widerstand es sechs Monate später bei Roßbach dem tiefgestaffelten Angriff der Franzosen.

1759 wird zum Schicksalsjahr: Nach dem Vorstoß mit dem Sächsischen Korps nach Franken geriet es am 23. Juli in Wedell‘s Niederlage bei Kay gegen die Russen .

Am 12.08 1759 bei Kunersdorf ging  wieder gegen die Russen mit großen Verlusten .

Am 21. November nach schwersten Kämpfen in die Kapitulation des Finck‘ sehen Korps bei Maxen, im Verbund mit dem Regiment Nr.12, welche als einzige nennenswerten Widerstand leisteten mit.dem restlichen Bataillon, " ein bis dato ganz unerhörtes Exempel".

1760 bei Torgau kämpften  die Grenadiere.

1762 taugte es nur noch zur Besatzung Neisse,

während die Grenadiere noch Freiberg am 29.Oktober mitmachten.

 

Chefs des Regiments Nr.9

1680 Generalmajor Johann Ernst v. Pöllnitz, Gouverneur von Lippstadt

1684 Generalmajor Heinrich Baron de Briquemault

1692 Oberst v. Boys,  bei Neerwinden

1694 Generalmajor v. Schlabrendorff, sp. Generalleutnant und Gouverneur von Küstrin

1713 Generalmajor Etienne du Trossel

1714 Oktober Generalleutnant Johann Sigismund Frhr.v. Heiden, sp. General der Infanterie, Gouverneur von Wesel

1719 14.03. Oberst Jonas Casimir v. Auer,sp. Generalmajor

1721 09.03. Oberst Johann du Buisson

1726 05.08. Oberst Christoph Rudolf v. Schliewitz

1732 19.01. Oberst Sigismund Rudolf v. Waldow

1735 21.07. Oberst Otto Friedrich v. Leps, sp. Generalmajor

1747 14.10. Generalmajor Johann Christian Rulemann Frhr. Quadt v. Wickeradt

1756 04.10. Generalmajor Friedrich Ludwig v. Kleist,

1758 05.01. Generalmajor Jürgen Friedrich v. Oldenburg

1758 01.03. Generalmajor Nikolaus Lorenz v. Puttkamer

1759 17.07. Generalmajor Friedrich August v. Schenckendorf

1763 31.07. Generalmajor Carl Friedrich v. Wolfersdorff, sp. Generalleutnant

1782 20.05. Generalmajor Alexander v. Budberg

1792 07.11. Oberst Wilhelm Dietrich v. Manstein, sp. Generalmajor

1796 18.08. Oberst Christian Ludwig v. Winning, sp. Generalmajor

1796 06.12. Oberst Johann Friedrich v. Brehmer, sp. Generalmajor

1802 20.03. Oberst Johann Friedrich v. Schenck, sp. Generalmajor

Historisches aus dem Regiment :

Mindestens fünf Todesopfer in Hagen im September 1720

1720 kam es in den Ämtern Blankenstein und Wetter, zu dem auch Hagen gehörte, zu bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen Teilen der Bevölkerung und preußischen Militäreinheiten, die unter einem damals offenbar ungewöhnlich massiven Einsatz von Gewalt ihre "Aushebungen" durchführten. Am 8. September 1720 hatte ein "starkes Kommando" preußischer Soldaten aus der Hammer Garnison des Infanterie-Regiments Nr. 9, das unter dem Befehl des damaligen Obristen Jonas Casimir von Auer stand, während des sonntäglichen Gottesdienstes die Kirchen der reformierten, lutherischen und katholischen Gemeinden in Hagen gestürmt; allein 50 Soldaten drangen dabei in die katholische Kirche ein. [6] In der lutherischen Kirche (ht. Johanniskirche) trieben sie die für den Kriegsdienst als "tauglichen" angesehenen Männer im Kirchenchor zusammen, um sie zu ihrer Garnison abzutransportieren. Die Soldaten mißachteten den Gottesdienst und verwüsteten das Innere der Kirche, die damals noch ihre mittelalterliche Baugestalt aufwies. Als sich unter den Kirchgängern und Zwangsrekrutierten sowie auch unter der herbeigeeilten Bevölkerung ein "tumultartiger" Widerstand erhob, eröffneten die Soldaten das Feuer auf die sich wehrenden Einwohner.

Mindestens fünf Hagener wurden getötet, zahlreiche Menschen verwundet. Das gewalttätige Geschehen in Hagen war Auslöser von heftigen Klagen durch den damals schon 83-jährigen lutherischen Prediger und Inspektor der evangelisch-lutherischen Kirche in der Grafschaft Mark Heinrich Wilhelm Emminghaus sowie seines Amtsbruders Heinrich Wilhelm Drude, die ein ausführliches Schreiben an Friedrich Wilhelm I. richteten. [7] Die beiden Hagener Prediger schilderten dem preußischen König das Geschehen unter anderem folgendermaßen:

"Demnächst sind die wenig gegenwärtige Männer mit großem Ungestüm, Schlagen und Stoßen (damit auch der armen Kinder und Weibsvolk nicht geschonet) auf dem Chor zusammengetrieben, bald mit unchristlichem Gespött von den Soldaten die Kanzel bestiegen, den Altar mit Gewehr belegt und durchschossen, der Taufstein und die angeschriebenen Lieder lächerlich entehret und verkehrt, die beiden Altartücher, ein seiden und ein linnen in Stücken zerrissen, die Kirchenstühle zerbrochen, Tabak geraucht, mit ungebührlichen Reden, daß in der Kirchen als im Kerker zu bleiben gezwungenen Volk erschrecklich geärgert und betrübt worden. [...] da die außer der Kirchen unterdessen aus den herumgelegenen Dörfern zusammengelaufene Weibsleute und Handwerker den in der Kirche Geängsteten zu Hilfe kommen wollten, von den Soldaten aber durch etliche scharfe Schüsse und dadurch gemachte Verwundung dahin gereizt und erbittert worden, daß sie mit Prügeln und anderm Bauerngewehr auf den Kirchhof und in die Kirche zu jenen eingedrungen; so hat die Soldateska mit anhaltenden scharfen Salven (der vielen geringen Verwundung nicht zu gedenken) ach leider! einen Mann mitten in der Kirche sogleich und fünf auf dem Kirchhofe durchschossen, deren einer in der Kirche sogleich und zwei in der folgenden Nacht ihren Geist kläglich aufgegeben, drei übrige annoch in großen Schmerzen und Todesgefahr dahnliegen." [8]

Auch die katholische Gemeinde in Hagen hatte sich bei der für sie zuständigen kurpfälzischen Regierung in Düsseldorf über das gewalttätige Vorgehen der Soldaten beschwert. In einem Rescriptum wies der preußische König daraufhin dem Regimentskommandeur in Hamm an, diesen Vorfall aufzuklären und die Schuldigen an diesem "große Excesse" nach Möglichkeit dingfest zu machen. [9] Der Überfall von preußischen Soldaten auf den Gottesdienst in Hagen zog jedoch weite Kreise, denn am 7. Oktober 1720 versammelten sich in Hagen die lutherischen Prediger aus der Grafschaft Mark, die ein ausführliches Protokoll über den Konvent anfertigten, der nicht nur die Ereignisse in Hagen, sondern auch in anderen Städten und Flecken der Grafschaft Mark beklagten und eine Bittschrift an den König verfassten. [10] Der hoch betagte Prediger Emminghaus lag zum Zeitpunkt dieser Zusammenkunft seiner Amtsbrüder in Hagen infolge der "Invasion seiner Kirche auf den Tod zu Bette" und verstarb am 23. Dezember 1720.

Eine ausführliche Darstellung der Rückwirkungen der Auseinandersetzungen zwischen Bevölkerung und Soldaten in Hagen, die aus Sicht der lutherischen und katholischen Geistlichen auch den in der Grafschaft Mark bestehenden Religionsfrieden gefährdeten, und die Folgen der Proteste würde den Rahmen dieses Beitrags sprengen. Angemerkt sei nur, dass wei evangelische Geistliche aus Hattingen und Derne auf Grund der auf dem Konvent in Hagen beschlossenen Bittschrift an den preußischen König gegen die Werbung für mehrere  Wochen auf der Festung Wesel inhaftiert und nach einer Vorführung in Berlin in die preußischen Ostprovinzen versetzt wurden. Einer Notiz ist außerdem zu entnehmen, dass nach dem Ereignis in Hagen und weiteren Gewalttätigkeiten in der Region, auch Proteste und Eingaben an den König die "Aushebungen" nicht aufgehoben, sondern unvermindet und mit gleichbleibender Härte fortgesetzt wurden. 

Autor:
Ralf Blank M.A. <ralf.blank@historisches-centrum.de>
© Historisches Centrum Hagen, alle Rechte vorbehalten

URL: http://www.historisches-centrum.de/einblicke/03/200304.shtml



 

 
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